24 Freitag, 17. April – Donnerstag, 28. Mai 2026 Nora Saratz Cazin, RR-Kandidatin aus Pontresina «Veränderungen aktiv gestalten» Die 45jährige Nora Saratz Cazin ist eine Vertreterin der neuen Generation, die etwas progressiver denkt und neue Lösungsansätze präsentiert In Bezug auf den bezahlbaren Wohnraum hat die Gemein depräsidentin von Pontresina erfolgreich neue Wege ein geschlagen. Zum Teil neue Wege beschreiten möchte die Grossrätin auch auf kanto naler Ebene in der Exekutive. Heinz Schneider Frau Saratz, wie neh men Sie die Veränderungen von Graubünden wahr? Nora Saratz Cazin: Graubün- den verändert sich stark und schnell. Digitalisierung, Fach- kräftemangel, neue Familien- modelle, der demografische Wandel und der Klimawandel prägen unseren Alltag längst auch in den Regionen. Gerade deshalb müssen wir die Ver- änderungen aktiv gestalten, statt ihnen hinterherzulaufen. Gleichzeitig beobachte ich mit Sorge, dass auch bei uns der Ton rauer und die Polari- sierung grösser wird. Umso wichtiger ist eine Politik, die zuhört, einbindet und Verant- wortung übernimmt. Grau- bünden soll offen, lebenswert und wirtschaftlich stark blei- ben auch im Wandel. Auf Ihrer Homepage erklären Sie, dass Sie sich für nachhaltigen Tourismus ein setzen möchten. Wie stellen Sie sich diese Nachhaltigkeit konkret vor? Ein nachhaltiger Tourismus ist für mich Tourismus mit Mehrwert für alle: für Gäste, für die Bevölkerung und für die Region. Entscheidend ist, dass unsere Orte lebenswert bleiben. Denn wo Einheimi- sche gerne leben, kommen auch Gäste gerne hin. Darum setze ich auf Ganzjahrestou- rismus, kluge Angebote und einen sorgsamen Umgang mit Natur, Infrastruktur und Mit- arbeitenden. Und die neuen Lösun für eine dezentrale gen Gesundheitsversorgung? Sind Sie mit der getroffenen Lösung des Spitals Samedan nicht einverstanden? Ich stehe klar hinter der Lösung in Samedan. Als Vi- zepräsidentin der Stiftung Gesundheitsversorgung Ober- engadin (SGO) und Mitglied des Lenkungsausschusses war ich sehr stark in die Erarbei- tung der Lösung involviert. Die Lösung zeigt, dass wir mit neuen Modellen die medi- zinische Versorgung in den Regionen nachhaltig sichern können. Entscheidend ist für mich: gute Qualität nahe bei den Menschen und tragbare Kosten für Bevölkerung und Gemeinden. Warum sind Sie mit dem aktuellen Bildungssys tem nicht einverstanden? Ich unterstütze unser Bil- dungssystem grundsätzlich. Dennoch ist es in Teilen zu starr. Schulen in Graubünden brauchen mehr Freiheit, damit sie Kinder gezielter fördern und besser auf die Bedürfnisse ihrer Region eingehen können. Dies gilt auch für die Gewer- beschulen und Berufsbildung unserer Jugendlichen. Was für Hindernis se wollen Sie abbauen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen? Ist Ihr neuer Weg, den Sie eingeschlagen haben, in Pontresina erfolgreich? Wer bezahlbaren Wohnraum will, muss Verfahren beschleu- nigen und den Gemeinden sowie privaten Bauwilligen mehr Möglichkeiten geben. Genau das leben wir in Pon- tresina vor, z.B. indem wir im kommunalen Bewilligungs- verfahren eine Instanz abschaf- fen. Der neue Weg zeigt bereits konkrete Wirkung, und den müssen wir konsequent wei- tergehen. Bezahlbarer Wohn- raum braucht weniger Hür- den, mehr Handlungsspiel- raum, eine gute Zusammenar- beit zwischen Privatwirtschaft und öffentlicher Hand und den politischen Willen, dran- zubleiben. Was raten Sie einem Hotelier in St. Moritz, der für seine Angestellten keine günstigen Wohnungen fin det? Kontakt aufzunehmen mit seinen Hoteliers-Kollegen, an- deren Dienstleistern und der Gemeinde, um die Möglich- keit zu prüfen, gemeinsam neuen Wohnraum für die Mitarbeitenden zu schaffen. In Pontresina befindet sich ein Personalhaus eines Hotels derzeit in Planung (leider ist es mit einer Einsprache blo- ckiert), eines befindet sich im Bau und ein Drittes wurde vor ca. drei Jahren eröffnet. Nora Saratz Cazin geb.: 27.9.1981 von: Pontresina u. Val Müstair whft.: Pontresina Zivilstand: Verh., drei Kinder mit Jgg. 2011, 2013 u. 2015 Beruf:Gemeindepräsidentin von Pontresina seit 1.2021 Werdegang: Jura-Studium ab- geschlossen im 2009, im Ansch- luss juristische Tätigkeiten am Bezirksgericht Horgen als Ge- richtsschreiberin und in div. Anwaltskanzleien als Juristin. 2020-2021 Weiterbildung in Mediation. Hobby: Zeit mit der Familie verbringen, Gartenarbeit, Seri- en schauen aus aller Welt (eine Zeitlang habe ich verschiedene türkische Serien geschaut und so etwas Türkisch gelernt) nebenberuflich: Grossrätin seit 2022, Stiftungsrätin des ikg, Vorstandsmitglied Förderve- rein Pro Origen, Stiftungsrat Wirtschaftsforum, div. weitere Mandate, viele im Rahmen meiner Tätigkeit als Gemeinde- präsidentin. Partei: GLP seit Okt. 2019 Lebensphilosophie: „Lebe im Moment” Traum: In die Regierung GR gewählt zu werden Was mich freut: Das Lachen anderer Menschen Was mich ärgert: Klischees Lieblingsdrink: Red Bull Lieblingsessen: Chapunets (ein altes Rezept meiner Familie) Lieblingslektüre: Puh, ich erin- nere mich nicht an mein letztes Buch. Lesen war noch nie meine Leidenschaft und da ich berufli- ch schon viel lesen darf, bleibt es dann dabei. Also Gerichtsur- teile, in denen die Gemeinde Pontresina Recht erhäl Lieblingsmusik: Singer Songwri- ter wie z.B. Amistat, Cinzia, Alex Warren u.v.m. Lieblingsferiendest.: Zürichsee Region und Chania in Kreta Meine Stärke: Das Positive zu finden in allen Lebenslagen und das Gute in den Menschen zu sehen. Ich kann mich auf die jeweilige Situation ein- lassen und das Beste daraus machen. Meine Loyalität und mein Mut, schwierige Themen anzupacken. Meine Schwäche: Ungeduld Was ich an Graubünden so schätze: Seine Vielfalt und sein kultureller Reichtum. Die Ruhe, die man in der Natur findet.