4 Lesermeinungen & Polit-Forum Mittwoch, 26. Nov. – Dienstag, 2. Dezember 2025 Drehscheibe Verkehr/Rhb Anlässlich der Infoveranstaltung stellten sich noch viele unge- klärte Franken. Was bringt eine Verschiebung des Bahnhofs Dorf um ca. 300 Meter? 66 Mio. Fr. sind heute veranschlagt für das Gesamtprojekt Drehscheibe Dorf. Die effektiven Kosten werden bis zur Fertigstellung bestimmt mehr als 70 Mio. Fr. erreichen. Dieses Mammutprojekt wird ausgelegt für ein erhöhtes Tou- ristenaufkommen von nur ca. 7 Wochen pro Jahr, und das nur bei schönem Winterwetter. Weitere Projekte stehen für die Gemeinde an: Spital Davos, günstiger Wohnraum für Einheimische; Valbella, Parkplatz Metz, Areal Färbi, etc. Die Wasserversorgung, wie andere Inf- rastrukturen Strassen, Kanalisationen sind bei weitem nicht abgeschlossen. Laut einer Zeitung belaufen sich die Kosten total bis im Jahr 2030/32auf eine 1/2 Miliarde Fr. Unvorhergesehene Investitionen, wie eine mögliche Fusion mit Schmitten, etc, etc. können nicht mit eingerechnet werden. Die Berechnungen Pricewater Cooper beruhen auf der jetzi- gen wirtschaftlichen Lage. Wie die Vergangenheit zeigt, waren immer wirtschaftliche, politische, pandemische Ereignisse, Zinsentwicklungen etc., mitverantwortlich für Liegenschafts-, allgemeine Steuern etc. Bei solchen Ereignissen wird eine Schuldentilgung sehr erschwert, wenn nicht verunmöglicht. Bei wirtschaftlich schlechteren Zeiten könnte eine Steuererhöhung nicht mehr ausgeschlossen werden. Die Schuldenlasten sind voraussichtlich 2039 immer noch doppelt so hoch wie heute. Vom jetzigen Bahnhof kann eine Unterführung Grossraum Seehofseeli realisiert werden. Es wird von einer Bahnhofverschiebung gesprochen, was nicht ausschliesst, dass nur eine Haltestelle erstellt wird, evt. zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht mit einem Halt auf Verlan- gen. Am jetzigen Standort sind Annehmlichkeiten für Wartende und Reisende mit einem Kiosk, Warteraum, WC, etc versehen. Laut Herrn Florin von der RhB wird der Bahnhof am jetzigen Standort auch ohne Verschiebung nach den heutigen Auflagen und Notwendigkeiten umgebaut. Wozu wird das bisherige Bahnhofareal später genutzt? (Wohnbauten?) Aus all diesen Überlegungen bin ich überzeugt, dass weitere Planungskosten von 2.2 Mio Fr. für eine Flanierzone Seehofsee- li, ohne Bahnhofverschiebung, mit neuer Strasenführung besser genutzt werden können. Mit einem NEIN in der Urne, können wir eine für Davos tragbare und zukunftsgerechte Lösung einen Schritt weiter bringen. Es ist uns allen bewusst, dass Wün- schenswertes und Machbares oft sehr unterschiedlich sind. Beat Däscher. Frauenkirch Klare Kante gegen lebenslange Polit-Ruhegehälter Am 30. November haben wir mit der Volksinitiative «Schluss mit dem goldenen Fallschirm für Regierungsmitglieder» die Möglichkeit mit der längst überfälligen Praxis der lebenslan- gen, üppigen Ruhegehälter für ehemalige Regierungsräte auf- zuräumen. Regierungsmitglieder verdienen während ihrer Amtszeit ein ordentliches Gehalt von rund 270‘000 Franken und sind bes- tens versichert. Das ist m. E. eine faire Entschädigung für ihre sicherlich verantwortungsvolle Tätigkeit. Es besteht jedoch keine Notwendigkeit mehr, dass aus dem Amt scheidende Regierungsmitglieder ein lebenslanges Ruhegehalt von 115‘000 Franken erhalten, aus Steuergeldern, versteht sich. In der Pri- vatwirtschaft kennen wir auch keine «Vollkasko», wenn ein Arbeitsverhältnis beendigt wird, jeder muss für seine berufliche Zukunft oder allenfalls Altersvorsorge selber sorgen. Dies soll- te auch für Politiker gelten und wie sich ja gezeigt hat, finden Regierungsräte nach ihrer Amtszeit problemlos gut bezahlte Anstellungen und Mandate. Es geht bei dieser Initiative um Eigenverantwortung, Gerech- tigkeit und Glaubwürdigkeit in der Politik. Alte Zöpfe soll man abschneiden und zwar ganz und nicht nur ein wenig! Ich unterstütze deshalb mit einem klaren JA die Initiative «Schluss mit dem goldenen Fallschirm» vorbehaltlos und sage NEIN zum Gegenvorschlag. Ruedi Weber, Serneus EVP: Investitionsvolumen am Notwendigen ausrichten Am Sonntag, 30. November, stimmen die Davoser Stimm- berechtigten ein erstes Mal zu den aktuellen Themen Ver- kehrsdrehscheibe und Spital ab. Beide Themen würden als Grossprojekte in ausgearbeiteter Form in rund zwei Jahren den Stimmberechtigten erneut vorgelegt und ein Investitionsvo- lumen von nie dagewesenem Ausmass einverlangen. Weitere grosse Investitionsprojekte sind bei der Gemeinde in Vorberei- tung. Die Finanzierung dieser Vorhaben wird eine herkulische Herausforderung und die Handlungsfreiheit der Gemeinde steht auf dem Spiel. Die EVP Davos empfiehlt, die aktuelle Abstimmungsvorlage zur Verkehrsdrehscheibe aufgrund des zu grossen Kostenanteils für die Gemeinde abzulehnen und die Abstimmungsvorlage zur Entschuldung der Spital Davos AG mit einem «Ja, aber» anzunehmen. Dem angedachten, überteu- erten Spitalprojekt ist bereits heute eine Absage zu erteilen. Projektierungskredit Verkehrsdrehscheibe wird Kostenan- teil der Gemeinde nicht senken: Die Verkehrssituation mit den unübersichtlichen Bushaltestellen rund um den Bahnhof Dorf ist eine organi-satorische Peinlichkeit. Diese Bushaltestel- len müssen neu behindertengerecht gestaltet, sollen aber auch zentralisiert werden. Das Seehofseeli-Areal und das düstere Theodulpärkli sollen aufgewertet werden. Park-plätze sollen ins Parkhaus verschoben, das Landwasser revitalisiert und Bahnübergänge teilweise (Disch-mastrasse und Mühlestrasse, nicht aber Flüelastrasse) aufgehoben werden. Alles wünschba- re Verbesserun-gen. Auslöser dieser «Wollmilchsau»-Vorlage ist die Bahnhofverschiebung. Sie ist aber nicht im vordringli- chen Interesse der Gemeinde, sondern sollte der Rhätischen Bahn und den Bergbahnen grosse Vorteile bringen, da das viel bequemere Umsteigen auch mehr Kundennachfrage auslösen sollte. Jedoch ist festzustellen, dass RhB und DKB nicht mit überzeugtem Brustton für die Vorlage einstehen, und auch die ungenügenden finan-ziellen Zusagen von dieser Seite überzeu- gen nicht. Die erwähnten wünschbaren Verbesserungen dieser Kombi-Vorlage können grossteils auch ohne Bahnhofverschie- bung realisiert werden. Das Projekt überzeugt als Ganzes nicht, vor allem aber ist der Kostenanteil von mindestens 70 Mio. Franken für die Gemeinde Davos immens und nicht ausgewo- gen unter den Projektprofiteuren. Die EVP Davos empfiehlt deshalb, die Vorlage zum Projektierungskredit Verkehrsdreh- scheibe abzulehnen. Spital-Schulden kann nur die Gemeinde übernehmen: Die Spital Davos AG generierte in den vergangenen Jahren relativ stabile Erträge bei einigermassen stabilen Kosten, allerdings mit einem EBITDA von nur wenig mehr als null. Das heisst, die Spi- talrechnung ginge nur dann auf, wenn keine Abschreibungen, Fortsetzung und mehr Polit-Forum ab S. 18